Vita

Einen Menschen kennen lernen, heißt auch zu verstehen, was und wie er fragt. Aus welchem Horizont heraus dann Antworten kommen oder neue Fragen aufgeworfen werden, ist dann schon wieder eine neue Frage.

Mich hat es geprägt, als ältester von fünf Geschwistern schon sehr früh Verantwortung zu übernehmen. Ich wollte aber auch wissen, warum ich etwas tun sollte; und sehr bald lernte ich wahr zu nehmen, an welchem Punkt des Fragens Erwachsene an eine Grenze kommen. In diesem Sinn habe ich mich immer für Grenzen und deren Überschreiten interessiert.

Die Schule fand ich leicht, und das Studium empfand ich als wunderbaren Freiraum dafür, jeden Tag neue Zusammenhänge entdecken zu dürfen. Schwer war es nur, die richtigen Schwerpunkte zu setzen. Ich wollte- über technische Zusammenhänge hinaus- den Sinn unserer Kultur, des eigenen Lebens, der eigenen Zeit erkennen, aber gleichzeitig ausreichend praktische Kenntnisse erwerben.

So baute ich mein Studium und auch mein Leben auf vier Säulen auf: Philosophie (wir hatten sogar einen Philosophiekurs an unserem Gymnasium gehabt), Theologie (denn mein Ziel war es, Kirche zu verändern), Sprachen (weil wir uns ohne sprachliche Kommunikation nicht verstehen können) und Wirtschaft (schließlich ist es sinnvoll, praktisches Rüstzeug für die heutige Zeit mitzukriegen).

Das Ineinander dieser Bereiche, ihre Eigengesetzlichkeit und ihre oft unterschätzten Verbindungen haben mein Berufsleben geprägt. In den ersten Jahren arbeitete ich- neben der Universität- als Übersetzer, Dolmetscher und Sprachlehrer – und habe bis heute meine Leidenschaft für Sprachen beibehalten.

Nach dem Lizentiat in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften promovierte ich in Katholischer Theologie und habilitierte mich mit einer Arbeit über „Ziele religiöser Erziehung“ im Fach Religionspädagogik. Wichtig war es mir, eine Theorie über den Sinn religiöser Erziehung in Familien und an öffentlichen Schulen in der Gegenwart zu entwickeln, die den heutigen Herausforderungen stand hält. Mit der Zielrichtung der „religiösen Kompetenz“ in verschiedenen Dimensionen der Persönlichkeit hat dieser Ansatz heute größere Resonanz gefunden. Froh war ich aber auch, eine klare Perspektive für religiöse Lernprozesse für und mit den eigenen Kindern Sabrina, Stefan und Daniel zu gewinnen.

Es drängte mich aber auch zur praktischen Erfahrung außerhalb der Universität. Zunächst gründete ich das erste eigene Unternehmen- die „EcclesiaData GmbH“, dann arbeitete ich als Unternehmensberater bei The Boston Consulting Group. Da ich größere Verantwortung übernehmen wollte, ging ich anschließend in ein großes Unternehmen der Medizintechnik, wo ich als Vorstand und Vorstandsvorsitzender wirkte. Der Weg vom Berater über den Manager zum Unternehmer schloss sich mit der Gründung meiner eigenen Unternehmensgruppe, in der inzwischen über 200 Menschen arbeiten.

Und die Philosophie? Seit 2000 darf ich als Vorstandsvorsitzender am FIPH mitwirken und genieße die lebhaften, manchmal kontroversen und immer konstruktiven Diskussionen rund um die Gegenwart und Zukunft des Instituts, aber auch unserer Gesellschaft als ganzer.

Die Fragen der Zeit philosophisch zu beleuchten und vielleicht auch zu erhellen, das gehört zu den schönsten Aufgaben, die ich mir vorstellen kann. Gemeinsam mit dem FIPH und dem 2009 von mir begründeten „Institut für Sozialstrategie“ (Laichingen und Jena), das sich speziell den Fragen nach der Gestaltung der globalen Zivilgesellschaft widmet, bin ich dankbar dafür, auch weiterhin neue Fragen zu stellen oder alte Fragen neu stellen zu dürfen.

(Ulrich Hemel, 28.2.2009) 

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