Das IfS stellt sich vor und informiert darüber
- was das IfS unter „Globale Zivilgesellschaft“ und
- unter „Sozialstrategie“ zur Gestaltung (globaler) Zivilgesellschaft versteht.
- Außerdem stellt sich das IfS-Team vor
- und wir feiern das 10. Jahresjubiläum des IfS!

Was ist die „Globale Zivilgesellschaft“?
Politische und wirtschaftliche Globalisierung führt auch auf zivilgesellschaftlicher Ebene zu globaler Verflechtung. Verbesserte Transport- und Kommunikationswege, weltweit steigende Touristenzahlen, ständig anwachsende, weltweite Kapital- und Warenströme, die Zunahme von Migration und die Häufung gemeinsamer, globaler Probleme fördern die Entwicklung einer globalen oder globalisierten Zivilgesellschaft.
Das IfS definiert die „Globale Zivilgesellschaft“ als die weltweite Gemeinschaft aller Personen und nicht-staatlicher Organisationen. Davon ausgeschlossen sind jegliche kriminelle Vereinigungen, wie beispielsweise die Mafia.
Die globale Zivilgesellschaft lebt in sehr unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Systemen. Gleichzeitig zeichnet sie sich durch große ethnische und kulturelle Vielfalt aus. Das Aufeinandertreffen und die Konkurrenz unterschiedlicher Wertesysteme und Lebensstile ist deshalb unausweichlich.
Das Zusammenwachsen der Zivilgesellschaft führt somit zwangsläufig zu neuen Konflikten und Problemfeldern, deren Bearbeitung ebenfalls auf globaler Ebene erfolgen sollte. Die Entwicklung von gesellschaftlichen Handlungs- und Problemlösungsstrategien muss vor allem dort ansetzen, wo Staaten oder zwischenstaatliche Organisationen an ihre Grenzen stoßen, oder zivilgesellschaftliche Interessen nicht, oder nur unzureichend vertreten werden.
„Sozialstrategie“ zur Gestaltung (globaler) Zivilgesellschaft!
Das IfS möchte im Rahmen seiner Forschung aktiv an der gesellschaftlichen Gestaltung teilhaben. Auf der Basis fundierter Analysen von Konflikt- und Problemfeldern beschäftigt sich das IfS mit der Erforschung und Entwicklung von Lösungsansätzen. Denkbar ist hier sowohl die Formulierung von konkreten Handlungsanleitungen für alltägliche Praxisprobleme, als auch der Entwurf eines Masterplans für die Gestaltung gesellschaftlicher Prozesse, welcher eine weitreichende Lösungsstrategie unter Abwägung aller Vor- und Nachteile umfasst.
Die Entwicklung solcher „Sozialstrategien“ bezieht sich dabei nicht ausschließlich auf die Gestaltung der globalen Zivilgesellschaft: Gerade auf lokaler, regionaler aber auch nationaler Ebene wird nach Lösungen für konkrete Probleme gesucht. Ist eine Strategie erfolgreich, kann sie dann für die jeweils höhere Ebene ein Modell sein.
Die „globale Zivilgesellschaft“ als Kernthema des IfS
Die „globale Zivilgesellschaft“ ist das Leitmotiv in der Forschung des IfS. Die einzelnen Forschungsschwerpunkte sind somit im Kontext der globalen Zivilgesellschaft zu verstehen.
Unser Themenspektrum umfasst derzeit folgende Forschungsschwerpunkte:
- Globale Zivilgesellschaft
- Bildung
- Gesundheit & Soziales
- Umwelt & Nachhaltigkeit
- Minderheiten & Religion
- Wirtschaft
Trotz der thematischen Strukturierung möchte das IfS Gesellschaften bzw. die globale Zivilgesellschaft ganzheitlich betrachten. Überlappungen zwischen den Themen sind somit nicht nur möglich, sondern auch erwünscht! Weiterhin geht das IfS bei seiner Arbeit über das Feld der akademischen Wissenschaft hinaus und öffnet sich für die Bereiche der Öffentlichkeit, der Politik und Wirtschaft.
Sie finden diese und weitere Informationen in der ERÖFFNUNGSREDE vom Gründer und Direktor Ulrich Hemel.
IfS-Team
Sein besonderes Interesse gilt Fragen einer gesellschaftlich relevanten Wirtschaftsethik – insbesondere im Spannungsfeld von Führung
Reinhard Rebbert
Auf der Grundlage seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre an der Technischen Hochschule Köln sowie in Executive-Programmen am IMD und an der Stanford University sammelte Reinhard Rebbert internationale Erfahrungen in der Finanzwirtschaft und der Industrie. Seine berufliche Laufbahn begann er als Finanzanalyst und Consultant mit Schwerpunkt auf Controlling und strategischer Unternehmensentwicklung. In den frühen 2000er-Jahren übernahm er als Director Investor Relations bei einem börsennotierten Unternehmen die Verantwortung für die Kommunikation mit Investoren und Finanzanalysten. Bereits zuvor engagierte er sich als Vorstandsmitglied in der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger für die Stärkung der Aktionärsrechte und der Transparenz am Kapitalmarkt.
Nach Führungsfunktionen im Finanzbereich internationaler Konzerne wechselte er zunehmend in beratende und strategische Rollen und spezialisierte sich auf die Vernetzung von Entscheidungsträgern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Als Generalsekretär des Bundeswirtschaftssenats in einem großen Wirtschaftsverband in Berlin trat er direkt mit der Politik in den Dialog. In diesem Kontext gründete er sein Beratungsunternehmen in der Schweiz mit dem Fokus auf Strategic Business Development. Heute ist er unter anderem als Director Strategic Alliances für eine große Organisation der Bildungs- und Sozialarbeit tätig, wo er Kooperationen über Sektorengrenzen hinweg gestaltet und weiterentwickelt.
Sein besonderes Interesse gilt Fragen einer gesellschaftlich relevanten Wirtschaftsethik – insbesondere im Spannungsfeld von Führung, sozialer Verantwortung und wirtschaftlicher Wirksamkeit. In diesem Zusammenhang verfolgt er aktuelle Themen wie die Bildung, die Wirkung und Macht von KI sowie die internationale Zusammenarbeit mit großem Engagement.
Der Austausch von Perspektiven und der konstruktive Diskurs über die Gestaltbarkeit unserer wirtschaftlich-sozialen Wirklichkeit sind ihm ein zentrales Anliegen. Die Mitarbeit im Institut für Sozialstrategie (IfS) bietet ihm die Möglichkeit, seine Einblicke in Wirtschaft und Politik mit anderen zu reflektieren, wissenschaftlich fundierte Positionen mitzuentwickeln und Impulse für ein zukunftsfähiges Gemeinwohl einzubringen.
Vorsitzender, Prof. Dr. Dr. Dr. h.c.
Ulrich Hemel
Stellvertretende Vorsitzende
Laura Scheinert
Schatzmeister
- thomas.denocker@2denare.de
- Deutschland
- https://www.2denare.de/
Prof. Dr. Thomas de Nocker
Beruflicher Werdegang
- seit 2015 Professor für allgemeine Betriebswirtschaftslehre,
insb. Strategisches Management und Nachhaltigkeit
(FOM-Hochschule für Oekonomie & Management)
- seit 2013 Geschäftsführer Beratungsinstitut 2denare GmbH,
vorher andere Aufgaben als Unternehmensberater
Akademischer Werdegang
- 2014 Master of Business Administration
- 2011 Promotion in Pastoraltheologie
- 2008 Studienabschlüsse: Kath. Theologie, Mathematik,
Geographie und Christliche Sozialwissenschaften
Forschungsinteressen
- Kirchliches Management
- Pastoralentwicklung
- Corporate Governance im Nonprofit-Sektor
- Profilbildung konfessioneller Sozial- und Gesundheitseinrichtungen
- Führungsforschung
- Sozialunternehmertum
- Unternehmensverantwortung
Beisitzer, Dr.
Valerij Goncharov
Beisitzer, MA
Nurzat Sultanalieva
Mitglieder, B.A.
Kristina Janackova
10 Jahre IfS
2019 feiert das Institut für Sozialstrategie sein 10-jähriges bestehen! Im Kontext der Tagung Globale Mindeststandards wird dies mit einem kleinen Festakt und Festrede von Herrn Manemann gefeiert.
Die Jubiläumsbroschüre widmet sich als Rückschau auf die letzten zehn Jahre besonders auf die Entwicklung des ifs mit zentralen inhaltlichen Thesen und einen Überblick über die veröffentlichten Beiträge in den verschiedenen Forschungsbereichen.
Vorwort
Im Februar 2009 war die Finanz- und Wirtschaftskrise auf einem ersten Höhepunkt. Die Sicherheit, mit mathematischen Formeln den Verlauf der Finanzmärkte vorhersehen zu können, zerplatzte wie eine Seifenblase. Finanzinstitute wankten oder verschwanden, europäische Staaten schnürten Rettungspakete, und es folgten zehn lange Krisenjahre.
Von der Schuldenkrise Griechenlands spricht fast niemand mehr, aber die Welt ist nicht sicherer geworden. Eine Person wie Donald Trump steht für eine Art ‚Dekonstruktion‘ demokratischer Werte durch Überbietung im Unterhaltungsfaktor von Politik. Leider ist das Zusammenleben auf der Erde mehr und anderes als eine Fernseh-Show: Zum Zusammenleben braucht es Verlässlichkeit, und in einer Staatengemeinschaft von rund 200 Staaten geht das nur gemeinsam.
Der vom ‚Institut für Sozialstrategie‘ formulierte Gedanke einer dreifachen Welle der Globalisierung hat in der Zwischenzeit noch schärfere Konturen gewonnen. Die Globalisierung von Waren und Dienstleistungen wird herausgefordert durch neue Zölle, durch weniger internationale Abkommen (wie das GATT der WTO), durch bilaterale statt multilaterale Vereinbarungen. Die Globalisierung von Information und Kommunikation ist mit einem Mobiltelefon pro Weltbewohner (d.h. fast 8 Milliarden Stück) auf einem neuen Höhepunkt angekommen. Gleichzeitig gibt es auch hier Bestrebungen zum kleinräumigen Rückzug: Das Internet in China unterliegt enger staatlicher Kontrolle, Russland hat ein eigenes Internet angekündigt, und der digitalen Kommerzialisierung der Datengiganten wie Google, Facebook, Amazon und Facebook setzt Europa erst sehr zögerlich das Modell einer bürgerschaftlichen, digitalen Balance entgegen.
Die dritte Ebene der Globalisierung, die der globalen Verbreitung von Werten und Normen, ist ihrerseits hoch aktuell geworden. Über 160 Millionen Menschen arbeiten und leben in einem Land, in dem sie nicht geboren sind. Etwa 65 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Insgesamt sind das zwar nur rund drei Prozent der Weltbevölkerung, doch hängt an jedem Menschen auch eine Familie, ein Freundeskreis, eine Lebenswelt. Staaten wie Haiti beziehen ein Drittel ihres Bruttosozialprodukts durch Transfer-Überweisungen der ausgewanderten Bürgerinnen und Bürger. Die Globalisierung von Werten und Normen spielt unmittelbar auch in die europäische Flüchtlingskrise hinein. Es gibt zwar seit Jahrhunderten Begegnungen und Kontakte zwischen Islam und Christentum. Neu aber ist das Ausmaß der Zuwanderung durch Millionen selbstbewusster Muslime, die nicht zuletzt durch die Bürgerkriege in Syrien und Afghanistan aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Die Globalisierung von Werten und Normen zieht also auch einen ‚religiösen Wettbewerb‘ nach sich, an dem sich die europäischen Werte von Toleranz, Achtung und Freiheitsrechten bewähren müssen.
Bewährt hat sich in diesem Zusammenhang die vom IfS vorgebrachte Definition von Zivilgesellschaft als „alle Personen und Institutionen, die weder Staat sind noch organisiertes Verbrechen“. Denn eine solche Definition schärft den Blick auch für offene Grenzen und fließende Übergänge, etwa mit Blick auf kleptokratische Regimes, auf Geldwäsche und auf autokratische Kontrolle der Zivilgesellschaft. Sie ermöglicht aber auch eine Differenzierung des begrifflichen Feldes. Denn für das IfS besteht die Zivilgesellschaft gemäß der erwähnten Definition nicht nur aus Vereinen und aktivistischen Gruppierungen, sondern auch aus dem breiten Feld der Kunst, der Kultur, der Religion, der Unterhaltung und des Wirtschaftslebens. Wer Unternehmen grundsätzlich als Akteure der Zivilgesellschaft begreift, der schreibt ihnen gesellschaftliche Verantwortung in jedem einzelnen Lebensakt zu, vom Umgang mit Lieferanten bis hin zum eigenen ökologischen Fußabdruck.
Das IfS hat sich von Anfang an globaler Zivilgesellschaft in den Themenbereichen Bildung, Gesundheit, Religion, Minderheiten, Wirtschaftsethik und rund um den Klimawandel gewidmet. Zu jedem Themenbereich sind zahlreiche Aufsätze und Artikel erschienen. Der Charakter des IfS als ‚freier Think-Tank‘ hat sich dabei bewährt, denn das IfS ist vollkommen frei und unabhängig von Drittmitteln, von staatlicher Einflussnahme oder sonstigen interessengebundenen Strukturen. Es beruht auf dem freiwilligen, im echten Sinn zivilgesellschaftlichen Engagement aller Beteiligten. Zu akzeptieren, dass jeder „genau das tut, was ihm oder ihr gerade möglich ist“, verlangt ein hohes Maß an Flexibilität und ‚atmender Teamstruktur‘. Diese Struktur ist und bleibt fragil, bisher aber war sie zugleich attraktiv und lebensfähig.
Aus diesem Grund hoffe ich und bin zuversichtlich, dass wir auch das zwanzigjährige Jubiläum des ‚Instituts für Sozialstrategie‘ erleben werden.
Ulrich Hemel, Direktor
Sie können hier eine Print-Ausgabe der Broschüre anfordern.
